Baitcasting – der Einstieg

Baitcasting – der Einstieg

Baitcasting wird immer beliebter in Deutschland und das nicht ohne Grund. Wer das Level beim Raubfischangeln erhöhen möchte, der wird die Herausforderung lieben. Aber was genau ist es, was die Angler am Baitcasting reizt? In erster Linie wohl schon die Tatsache, dass es sich so grundsätzlich von der “normalen Angelei” unterscheidet, doch es gibt weitere gute Gründe! Bei anderen Rollen, wie z.B. Stationärrollen, wird die Schnur über eine Schnurführung umgelenkt. BC-Rollen hingegen wickeln die Schnur direkt auf. Das sorgt für direktere Bissübertragung auf die Rolle und auf den Griff und außerdem verhinderte dies auch das verdrehen der Schnur während dem Drillen. Hinzu kommt auch, dass das Baitecasten mit einer Hand durchgeführt werden kann, da es keinen Schnurbügel gibt, der umgelegt werden müsste. Die gesamte Bedienung der BC-Rolle während des Auswerfens wird mit dem Daumen durchgeführt. Besonders in Wettkämpfen hat man dadurch einen enormen Zeitvorteil.

Natürlich gibt es auch Nachteile. Nirgends ist es so wichtig die Rolle, Rute und Köder aufeinander anzustimmen. Nach jedem Ködertausch mit unterschiedlichem Gewicht oder Flugeigenschaften muss die Rolle evtl. neu eingestellt werden, sonst besteht akute “Perückengefahr” auf der Spule, aber dazu später mehr. Auch ist das Auswerfer mit der Baitcaster-Kombo anspruchsvoller als bei einer normalen Spinner-Kombo. Letzlich sind kleine Köder unter 8-10 Gramm beim Baitcasting eine Herausforderung für Rolle und Rute und damit wird es dann auch schon etwas teurer, wenn man in diesem Segment sicher fischen möchte.

Der Einstieg muss nicht zwangsläufig zu Frust führen, wenn man sich vorab ein wenig mit dem Thema befasst. Wir haben für Euch ein paar Tipps zusammengetragen, die den Einstieg aus unserer Sicht so stark vereinfachen, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit von Anfang an Spaß und Freude an dieser Art zu angeln haben wird.

Was kostet das Baitcasting?

Oft wird gesagt, dass Baitcaster-Combos sehr teuer sind. Im Grundsatz muss man sagen, dass man besonders bei der Baitcaster-Combo zumindest nicht das billigste vom Billigen kaufen sollte. Als Anfänger muss man aber auch nicht gleich hunderte von Euro ausgeben. Ködergewichte unter 8-10 Gramm, sind am Anfang kaum zu bändigen. Hierfür braucht es tatsächlich hochwertige Combos, die entsprechendes Geld kosten. Darum empfehlen wir den Einstieg mit Ködergewichten größer 10 Gramm. Die Rute und Rolle sollte zusammen nicht unter 150 Euro kosten, wobei der Preis nach oben hin beinahe offen ist. Bei keiner anderen Angelart ist es so wichtig, dass die Rute und Rolle zusammen passen.

Was gibt es bei der Baitcaster-Rolle zu beachten?

Wie immer gilt auch hier: Wer billig kauft, kauft zweimal! Darum ist eine BC-Rolle unter 80-90 Euro aus unserer Sicht ein Abenteuer, auf dass wir zumindest verzichten würden. Wenn Du also sofort Spaß haben willst, ohne viel Frust, dann gebe lieber etwas mehr Geld aus. Wenn Du dann eine passende Rolle für Dich gefunden hast, dann solltest Du Dir als erstes die verschiedenen Bremsen ansehen, denn die sind für das Auswerfen und Drillen mit der BC-Rolle entscheidend.
Alle diese Rollen verfügen über eine sogenannte Sternbremse, die mit der Front- oder Heckbremse bei normalen Rollen vergleichbar und in erster Linie beim Drillen wichtig ist. Ist sie zu lose, dann dreht sich die Spule beim Kurbeln gar nicht mit und ein Auswerfen endet im Desaster. Also diese so einstellen, dass man mit etwas Krafteinsatz noch etwas Schnur von der Rolle ziehen kann, dann seid Ihr auch bereit für den ersten Drill.
Als zweites haben ebenfalls alle BC-Rollen eine Spulenbremse. Diese sollte besonders am Anfang so eingestellt werden, dass das Rechts-Linksspiel der Spule gerade so nicht mehr fühlbar ist. Der Köder an der Schnur sollte beim Freigeben der Schnur über den Freilaufschalter, am Anfang recht langsam und kontrolliert zum Boden sinken. Ist der Köder am Boden angekommen, sollte die Spule automatisch stoppen. Das verhindert bei Anfängern zumindest weitestgehend, dass sich Perücken auf der Rolle bilden.
Die dritte Bremse ist die Fliehkraft- oder Magnetbremse. Je nach Hersteller wird hier auf unterschiedliche Techniken oder bei sehr hochwertigen Rollen gar auf beide Techniken gesetzt. In Tutorials heißt es oft, dass man diese auf Maximum stellen soll, um als BC-Anfänger Spaß zu haben, aber die Wurfweite wird so dermaßen beeinträchtigt, dass wir zumindest keinen Spaß auf diese Weise haben und viele gute Rollen sind so gutmütig, dass es auch gar nicht nötig ist, die Maximaleinstellung zu wählen. Hier ist eine mittlere Einstellung auf keinen Fall falsch. Bei Fliehkraftbremsen, wie sie z.B. von Shimano verwendet werden, kann man also die Hälfte der Pins aktivieren, indem sie nach außen geschoben werden und sich damit frei bewegen können. Zum Deaktivieren, werden sie nach Innen geschoben und sind dann fest. Zusätzlich gibt es bei einigen Rollen auch ein Stellrädchen an der Außenseite der Sideplate. Diese kann man gerne am Anfang auf maximal stellen und anschließend an die minimale Einstellung herantasten. Hersteller wie Daiwa Abu Garcia haben eine Magnetbremse, die entweder direkt auf die Spule oder auf einen beweglichen Ring, den Induktor wirken. Beide Bremssysteme sollten dafür sorgen, dass die Spule beim Auswerfen nicht stärker beschleunigt wird, als Schnur von der Spule gezogen werden kann. Dadurch entstehen nämlich die ärgerlichen Perücken auf der Spule.
Wichtig: Die beste Bremse ist noch immer die einzige Bremse, die kein Hersteller verbaut hat, nämlich die Daumenbremse, aber dazu später mehr.

Was ist bei der Baitcaster-Rute zu beachten?

Da Rolle und Rute zueinander passen müssen, sollte auch hier nicht gespart werden. Ein vernünftiger, leichter Blank, leichtgängige Beringung, eine hochwertige Rollenaufnahme und ein handlicher Griff sind wichtige Faktoren für eine BC-Rute, die Spaß machen soll. Die Aktion sollte schnell bis sehr schnell sein. Auch hier kann man für 80-120 Euro schon eine wirklich gute Rute ergattern. Eine Rute bis maximal 30 Gramm lädt sich gut auf beim Werfen und ermöglicht auf jeden Fall das Angeln auf Barsch und Zander, aber auch kleinere bis mittlere Hechte. Wurfgewichte bis 50 Gramm und höher eignen sich in erster Linie für das Angeln von kapitalen Hechten. Allerdings kann man mit diesen Ruten keine leichteren Köder effektiv werfen. Aus diesem Grund empfehlen wir für den Anfang eher eine leichtere Rute. Auch ist das Werfen von schweren Ködern in unseren Augen keine wirkliche Herausforderung und darum geht es doch auch ein wenig, oder? Wichtig ist in unseren Augen auch die Länge der Rute. Ab 1,9m – 2,1m lässt sich die BC-Rute sehr kontrolliert und präzise auswerfen und man kann trotzdem noch recht weit auswerfen. Größere Ruten laden sich in Summe mehr auf und erreichen damit auch mehr Wurfweite, aber um präzise zu treffen, braucht es wirklich viel Übung.

Welches Hauptschnur solltest Du verwenden?

Hier scheiden sich die Geister! Tatsächlich ist die vielseitigste Schnur die geflochtene Schnur. Für viele Techniken ist sie perfekt geeignet. Sie hat wenig Dehnung und damit eine gute Bissübertragung. Benutzt man eine etwas steifere Schnur, ist auch der Umgang mit der Baitcaster-Combo kein Problem. Es gibt auch viele, die mit Fluorocarbon angeln. Das hat etwas mehr Dehnung, aber nicht so viel wie normale monofile Schnur. Dabei sollte man aber beachten, dass das Fluorocarbon wenigstens 2-3 Tage vor dem Angeln aufgespult werden sollte, damit es sich an die Spule anpassen kann. Zum Üben verwenden viele sehr günstige Schnüre, aber wir sind der Meinung, dass man mit der Schnur üben sollte, mit der man schlussendlich auch angeln möchte. Wenn es ganz schlecht läuft, ist das zwar etwas teurer, aber dafür weiß man auch wie sich die Schnur unter bestimmten Bedingungen verhält.

Welche Köder eignen sich für den Anfang am besten?

Die besten Flugeigenschaften haben in unseren Augen Gummifische ab 7.5cm mit Jig-Köpfen ab 10 Gramm. Das ist außer in Flüssen oder tiefen Gewässern natürlich alles andere als optimal fürs Barschangeln, aber für den Anfang auf jeden Fall die beste Wahl, wenn Du das Auswerfen üben möchtest. Je schwerer der Köder (aber bitte auch innerhalb des angegebenen Wurfgewichtes der Rute), desto einfacher lässt sich der Köder auf Entfernung auswerfen.

So übst Du das Auswerfen mit der Batcast-Combo:

So komisch das vielleicht auch klingen mag, man kann hervorragend auf kurz gemähte Wiesen üben. So ca. 30-40 Meter solltest Du Platz haben. Den Haken vom Jig-Kopf kann man sicherheitshalber auch mit einer Zange nach Innen biegen, um zu verhindern, dass man sich verletzt oder ständig hängen bleibt. Direkt am Wasser zu üben, könnte unter Umständen andere Angler stören, denn wenn sich eine Perücke auf der Spule bildet, knallt so ein Köder auch mal unsanft auf die Wasseroberfläche, was u.U. enorme Schreckwirkung auf die Fische hat.
Wenn Du also die Rolle an der Rute montiert, die Hauptschnur durch die Ringe gefädelt hast, das Vorfach mit Gummifisch montiert wurde, dann bist Du bereit für das Einstellen Deiner BC-Rolle. Wie vorhin schon erwähnt, sollte die Sternbremse so eingestellt sein, dass Du mit etwas Krafteinsatz noch Schnur von der Spule abwickeln kannst. Die Spulenbremse sollte so eingestellt sein, dass sich der Köder langsam und gleichmäßig Richtung Boden bewegt, wenn Du den Freilaufschalter drückst. Die Fliehkraft-/ Magnetbremse sollte am Anfang maximal eingestellt werden. Spule den Gummifisch ca 25-30cm unter die Rutenspitze.
Nun bist Du bereit für den ersten Auswurf. Halte die Angel seitlich von dir, lege Deinen Daumen auf den Freilaufschalter und in Verlängerung auch auf die Spule. Betätige den Freilaufschalter und halte mit der Daumenspitze die Spule fest. Am Einfachsten geht das Auswerfen, wenn Du es nur aus dem Handgelenk heraus machst. Nun gilt es die Rute mit Energie aufzuladen. Das machst Du, indem Du die Rute zuerst nach hinten und anschließen nach vorne bewegst, wo du die Spule für den Freilauf freigibst. Dabei solltest Du ein Peitschen vermeiden, wie Du es von der Spinnrute kennst. Die Bewegung sollte gleichmäßig und flüssig sein. Wenn man ein Ziffernblatt einer Uhr betrachtet, dann geht die Bewegung der Rute von ca. 1-2 Uhr in Richtung 4-5 Uhr zurück auf 12 Uhr. Wenn du merkst, das der Köder am Ende der Flugbahn langsamer wird und evtl. auch schon die Schnur nicht mehr richtig straff ist, solltest Du den Daumen ganz leicht an der Spule schleifen lassen. Das bremst sie ganz leicht ab und verhindert die gefürchtete Perückenbildung. Spätestens, wenn der Köder aufkommt, sollte der Daumen auf der Spule liegen. Nun betätige die Kurben, damit der Freilaufschalter zurückspringt und die Spule fixiert ist. Herzlichen Glückwunsch, wenn Deine Spule ohne Schlaufen ist, hast Du Deinen ersten Auswurf erfolgreich absolviert. Jede Wiederholung ist wertvolle Übung, welche zusätzlich Routine bringt. Irgendwann musst Du kaum noch drüber nachdenken und kannst Dich an weitere Wurftechniken heranwagen. Auf jeden Fall solltest Du Dich zuerst an die Fliehkraft-/ Magnetbremseinstellung herantasten, die ein guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Wurfweite darstellt.

Was machen, wenn sich doch mal eine Perücke gebildet hat?

Ist es noch keine richtige Perücke, reicht es manchmal schon 2-3 Schritte zurück zu gehen mit leicht am Daumen schleifender Spule. Lassen sich die kleinen Schlaufen dadurch entfernen? Perfekt.. einfach beim nächsten Auswurf den Daumen etwas früher schleifen lassen. Reicht das nicht, dann ebenfalls Daumen auf der Spule schleifen lassen und etwas Schnur von der Spule abziehen, bis die Schnur wieder sauber abläuft. Sollte das auch nicht gehen, weil ein kleiner Knoten drin ist, dann vorsichtig an der Stelle des Knotens zupfen, bis Du wieder Schnur abrollen kannst. In aller Regel sollte damit die Perücke schnell aufgelöst werden können. Achtung: Während Du versuchst Die Perücke aufzulösen, solltest Du immer den Daumen an der Spule haben!

Wir wünschen Dir viel Spaß und hoffen, dass wir Dir den Einstieg in das Thema Baitcasting erleichtern konnten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.